Afrikas größte Schlucht findet ihr im Süden Namibias. Es ist der Fish River Canyon. Millionen von Jahren nahm sich die Evolution Zeit, ihn zu formen. Etwas abseits von den gängigen Touristenrouten gelegen, stellt sich den Reisenden schnell die Frage: Lohnt sich der Fish River Canyon? Hier erfährst du mehr!
Der Mythos von der Riesenschlange
Über etwa 160 Kilometer schlängelt sich der Fischfluss durch die bis zu 27 Kilometer breite und 650 Meter tiefe Schlucht. Glaubt man dem Mythos des Nama-Volkes, dann geht die Entstehung des Fish River Canyon auf eine gigantisch riesige Schlange zurück. Immerhin bewohnten die Namas schon lange vor dem Eintreffen europäisch-stämmiger Missionare und Kolonialisten diese Gegend. Die Namas lebten damals weniger vom Jagen und Sammeln als die abstammungsverwandten San-Völker. Sie waren sesshafter und kannten Land- und Viehwirtschaft. Ihrer Legende nach lebte hier aber auch eine Riesenschlange, die sich ausgerechnet von den Schafen und Ziegen der Namas ernährte. Sie sahen ihre Existenz bedroht.
Um ihr Überleben zu sichern, sahen diese Menschen in ihrer Not nur eine Lösung: Die Monsterschlange musste sterben. – Und so griffen sie sich ihre Speere, Pfeile und Bögen, machten ihre Hunde scharf, entbrannten Fackeln und stürzten sich von allen Seiten mit Mann und Maus auf die Riesenschlange. Mit den Fackeln hielten die Namas sie in Schach. Ein Arsenal an Pfeilen durchbohrte ihre Haut. Und mit übernatürlicher Kraft rammten die tapferen Menschen die Speere in den muskulösen Körper des Giganten. Schon bald zeigte es Wirkung bei dem Monsterreptil. Chancenlos wälzte es sich im Todeskampf hin und her, riss dabei sichtbare Gräben in den steinigen Boden, tiefer und tiefer, breiter und breiter. Schließlich brach die Riesenschlange in ihrem selbst geschaufelten Grab leblos zusammen und der Fish River Canyon war geboren. Die Menschen lebten fortan friedlich und glücklich … und so weiter.
Wer heute in den Canyon hineinschaut, sieht keine Spuren mehr von diesem prähistorischen Kampf. Aber die Fantasie schaut mit. Mein erster Blick in diesen gewaltigen Canyon und ich fühlte mich ehrfurchtsvoll ergriffen von einer weiteren wundervollen Schöpfung der Natur.

Lohnt sich der Fish River Canyon? Ein Spaß für Freunde der Geologie
Egal ob die Riesenschlange nun Mythos oder Wirklichkeit ist – es gibt auch geologische Theorien zur Entstehungsgeschichte des Fish River Canyons. Hier ist es Wasser, das anstelle der Riesenschlange die enorme Kraft aufbringt, sich in die Erdschichten hineinzuschlängeln. Weil das Wasser aber bald auf harte Quarzit-Schichten stößt, beginnt es, sich stärker in die Breite auszutoben, statt sich in die Tiefe zu bohren. Erst der sehr langsame Prozess des Auseinanderbrechens des Riesenkontinents Gondwana vor rund 150 Millionen Jahren ändert diese Entwicklung. Als sich damals die heutigen Kontinente Südamerika und Ozeanien von Afrika abspalten, kommt es zu Landhebungen. Diese sorgen für ein größeres Gefälle des Fish Rivers und verschaffen dem Fluss dadurch eine höhere Fließgeschwindigkeit. Mit ihr hat er nun vielmehr Kraft, den Widerstand des harten Gesteins zu durchbrechen und sich in tiefere Schichten hineinzufräsen.
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Namibias extrem trockenes Klima in weiten Teilen des Wüstenstaates hinterlässt nackte, vegetationsarme bis vegetationslose Felsformationen. Die verschiedenen Schichten lassen sich so gut erkennen, wie Jahresringe in einem frisch aufgeschnittenen Baumstamm. Das Land ist ein Traum für alle (Hobby-)Geologen, die Spaß daran haben, beim Anblick des Gesteins dessen einzigartige Entstehungsgeschichte zu dechiffrieren. Für sie lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch des Fish River Canyons.

Canyon mit Aussicht
Entlang des Canyon-Rands gibt es eine Reihe von Aussichtspunkten. Von hier könnt ihr sehr gut erkennen, dass während der unterschiedlichen Phasen der Entstehung ein Canyon im Canyon entstanden ist. Ein faszinierender Anblick. Leider ist kaum noch Wasser in der Schlucht zu sehen, weil der Fluss auf seinem langen Weg zum Canyon an zwei Stellen zu einem See gestaut wird. Dadurch bleiben immerhin die farbigen Gesteinsschichten an den Schluchtenwänden sichtbar. Insbesondere in der Morgensonne sind sie vom Hoba-Aussichtspunkt (Ostseite) in schönster Klarheit zu sehen.
Aber auch für die, die einfach nur das wundervolle Panorama genießen möchten, lohnt sich ein Besuch des Fish River Canyons. Die Sonnenauf- und untergänge spenden romantische Momente. Grün schimmernde Flussabschnitte in der Tiefe laden ein zum Näherkommen. Und dann ist da noch diese Dimension der Schlucht. Sie ist es, die einen magisch in den Bann zieht und warum man nicht gleich weiterfahren will. Stattdessen möchte man bleiben, in die Ferne schweifen, die Stille inhalieren und am liebsten wie eine Drohne in den Canyon hineinfliegen.
Wer länger bleiben möchte, sollte auf der Westseite des Canyons die Fish River Lodge besuchen – eine Unterkunft für Genießer*innen. Die geräumigen und geschmackvoll eingerichteten Hütten befinden sich so nah am Schluchtenrand, dass es entspannte Momente mit Panorama-View von der Veranda erlaubt. So lohnt sich ein Besuch des Fish River Canyons ganz sicher.
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Den Canyon erleben – von Schluchtenwanderungen und Stromatolithen
Am Canyon-Rand kann man nicht nur gemütlich picknicken oder auf erklärenden Wandtafeln viel über die Entstehungsgeschichte lesen. Auch komfortable Spaziergänge zu den verschiedenen Aussichtspunkten sind möglich. Aber Vorsicht: kommt nicht zu nah an den Abgrund. Es gibt hier keine Zäune. Dafür aber immer wieder überwältigende Einblicke in die Schluchtenlandschaft. Der Aussichtspunkt am Hiker’s Point ist dafür bekannt, dass gleich neben dem Toilettenhäuschen ca. 550 Millionen Jahre alte Stromatolithen den Boden säumen. (Natürlich nur, wenn sie nicht inzwischen weggetrampelt wurden.)
Stromatolithen sind Karbonat-Metabolismus-Produkte der Kalkausscheidungen von Algen und Bakterien, die sich als dichte Teppiche auf dem Grund flacher Meere bildeten. Sie existieren seit etwa 3500 Millionen Jahren und gehören zu den ältesten Lebensformen unseres Planeten. Diese kleinen Bakterien-Kolonien waren verantwortlich für die Entwicklung von freiem Sauerstoff in den Ozeanen, der letztlich die Atmosphäre füllte. Stromatolithen gehören daher zu den wichtigsten Grundlagen der Evolution. Sehr spannend.

Spannend ist aber auch die Möglichkeit, die Schlucht über eine Länge von 80 - 90 Kilometer zu durchwandern. Das geht allerdings nur in den kühleren Wintermonaten und ist bestens geeignet für Abenteurer*innen. Der Weg vom Hiker’s Point bis Ai Ais dauert je nach Lust und Laune vier bis sechs Tage und beglückt euch nur am Start und am Ende mit Einrichtungen wie Toiletten oder Zeltplätzen. Ihr müsst also alles selbst mitbringen und selbst schleppen, wenn ihr nicht ein paar Träger engagiert. Unterwegs genießt ihr atemberaubende Aussichten, die Wildnis und eine natürliche Ruhe mit hohem Harmoniefaktor. An einigen Stellen der Schlucht stoßt ihr auf heiße Quellen. Darunter auch ‚Sulphur Springs‘ einige Kilometer südlich des Hauptaussichtspunktes oder bei Ai Ais, wo sie ein Heilbad speisen. Zu diesem Heilbad gehört auch ein Hotel, wo ihr euch nach all den Strapazen gut erholen könnt.
Is the Fish River Canyon worth a visit? Conclusion
Der Fish River Canyon ist schon deshalb eine Besonderheit in Namibia, weil er die größte Schlucht Afrikas ist. Und eigentlich gibt es keinen Grund, warum ein Besuch des Fish River Canyons keinen Besuch lohnen sollte. Selbst seine Abgeschiedenheit, die manchen vielleicht zu abseits ist, ist gleichzeitig auch ein Pluspunkt für diejenigen, die gerne „off-the-beaten-track“ reisen möchten. Ein Besuch lohnt sich also aus folgenden Gründen:
- Liegt abgeschieden von den üblichen Touristenrouten
- Ist Afrikas größte Schlucht
- Bietet exzellente Ansichten auf nackte geologische Formationen
- Beherbergt einige der ältesten Lebensformen
- Fasziniert mit herrlichen Aussichten
- Erlaubt nette Spaziergänge und spannende Wanderungen
- Und wartet in der Umgebung mit großartigen Unterkünften auf

Wer über eine Namibia-Reise und einen Besuch am Fish River Canyon nachdenkt, kann sich problemlos an uns wenden. Wir stehen in jedem Fall gerne für Rückfragen und zusätzliche Unterstützung bei der Planung deiner Namibia-Reise bereit – egal ob auf einer geführten Reise oder einer Selbstfahrerreise! Melde dich einfach bei uns!!
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