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Geschrieben von: Juan Proll am 20 März 2023

Walvis Bay in Namibia – mehr als nur die wichtigste Hafenstadt

Flamingos Seebären und Kayaks in Walvis Bay Namibia

Reiche Wal- und Fischvorkommen, ein natürlicher und sicherer Tiefwasserhafen, der auch für größere Schiffe geeignet ist, sowie das militärstrategische und geopolitische Potenzial bestimmten die Geschichte von Walvis Bay in Namibia. Die Bedeutung als Hafenstadt ist geblieben. Doch hat sich der Küstenort auch zu einer interessanten Touristen-Destination entwickelt, wie der heutige Blog zeigt.

Walvis Bay Bootanlegestelle und Pelikane

Walvis Bay in Namibia – Hafenstadt mit bewegter Geschichte

Schon früh im 18. Jahrhundert zog es europäische und amerikanische Walfang- und Fischerboote hierher. Die außerordentlich nährstoffreichen Gewässer vor der Küste von Walvis Bay versprachen große Beute – Fische und Wale satt. Der heutige Name „Walvis Bay“ heißt übersetzt so viel wie „Walfisch Bucht“ und würdigt ihre historische Bedeutung. Zugegeben, irgendetwas klingt falsch an dem Namen, denn Wale sind keine Fische, sondern Säugetiere.

In jenen Zeiten nutzte man gerne mal die natürlich hervorragenden Bedingungen vor Walvis Bay, um zu ankern und an Land zu gehen. Sei es, um sich die Beine zu vertreten oder Wasser und Lebensmittel zu finden. Doch irgendwann erkannten die Engländer die militärstrategischen und geopolitischen Chancen dieses Naturhafens. Hier konnten sogar größere Schiffe sehr nah an der Küste vor Anker gehen. Also reklamierte das Königreich diesen Teil der Küste 1795 für sich. In der Folge siedelten sich Topnaar-Namas an, die in der Umgebung lebten. Sie versprachen sich davon Handelsmöglichkeiten mit den Neuankömmlingen aus Übersee. Britische Händler und Marine-Angestellte gesellten sich dazu. Und so mauserte sich diese Ansiedlung langsam zur Hafenstadt Walvis Bay. Doch sie tat es nicht, ohne einige geschichtliche Wendungen mehr:

Anfangs scheint sich niemand anderes für das Hinterland des Küstenortes zu interessieren. Das ändert sich abrupt im Jahr 1883. Es ist das Jahr, in dem Heinrich Vogelsang im Auftrag des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz hier die deutsche Kolonialzeit einläutet. Walvis Bay bleibt zwar britisch aber der Rest dahinter wird Deutsch-Südwest-Afrika. Deutsche Städte entstehen: zuerst Lüderitz, dann Windhoek, weitere folgen. Walvis Bay wird britische Enklave im Deutschen Reich. Die Deutschen brauchen eine alternative Hafenstadt und bauen Swakopmund.

Zwar fällt Walvis Bay im 1. Weltkrieg kurzfristig unter deutsche Besatzung, doch schon 1915 sind sie im südlichen Afrika geschlagen. Nach dem Krieg geht das gesamte Land, einschließlich Walvis Bay, nach dem Willen des Völkerbundes in die Mandatshoheit Südafrikas über. Sie bauen die bestehenden kolonialen Strukturen im neuen Südwest-Afrika aus und führen die Apartheid ein. Mit der Unabhängigkeit 1990 wird aus Südwest-Afrika nun Namibia. Nur Walvis Bay bleibt bis 1994 noch Hoheitsgebiet Südafrikas, inklusive Grenzkontrollen und Zollgebühren, ehe es endlich in Namibia integriert wird.

Flamingos fliegen übers Wasser
Foto: Pelican Point Lodge

Was kann man in Walvis Bay in Namibia machen? Ausgangspunkt für spannende Ausflüge

Wenngleich historisch interessant, so ist dieser, der Wüste abgerungene Ort Walvis Bay architektonisch gesehen sicher kein Schmuckstück. Dennoch: die Stadt wächst und wächst. Keine*r weiß so genau, wie viel Einwohner*innen hier residieren. Zahlen kursieren zwischen 55.000 und 85.000. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten mögen der Hauptgrund für ihre Wahl sein, in dieser Wüstenoase zu leben. Aber der Ort hat auch Lebensqualität, denn man kann hier und in der Umgebung, zu Lande und zu Wasser einige coole Sachen machen. Hier ein paar Beispiele:

Walvis Bay Promenade

Die Walvis Bay Promenade am Südrand der Stadt gehört zu den innerörtlichen Attraktionen. Sie führt entlang der Flamingo Lagoon, einem kleinen Bereich der Walvis Bay Lagune. Je nach Jahreszeit und Wasserstand könnt ihr hier große Flamingo-Kolonien im seichten, ufernahen Wasser des Atlantischen Ozeans bewundern. Drei Arten sind hier hauptsächlich vertreten: der Kubaflamingo, Rosaflamingo und Zwergflamingo. Auf der Suche nach Futter stapfen sie behutsam durch das Wasser oder tänzeln auf der Stelle. Über die Flamingos hinweg erkennt ihr auch diesen einzigartigen Bucht-Charakter und den Pelican Point Leuchtturm am anderen Ende der Bucht.

Pelican Point

Pelikane gibt es hier tatsächlich auch – vor allem den Great white Pelican, oder auf Deutsch: Nashornpelikan. Ungewöhnlicher Name, nicht wahr? Aber er heißt so, weil er in der Paarungszeit auf seinem Schnabel einen bis zu etwa 7 cm hohen Höcker entwickelt. Wollen wir hoffen, dass diese Information nicht zu einer verstärkten Wilderei auf Nashornpelikane führt.

Doch Pelican Point ist nicht nur ein Paradies für Wasservögel, sondern auch für Robben. Eine Kolonie von Afrikanischen Seebären ist hier heimisch. Ja, diese Trivialnamen … Nashornpelikan, Seebär … Egal, es ist eine aufregende Tierwelt, die ihr bestimmt gerne seht. Die ökosensible Halbinsel Pelican Point besteht nur aus Meeressand und ist über Land allein mit einem Allradfahrzeug entweder auf einer geführten Tour oder als Teil eines eskortierten Selbstfahrens oder mit einem Allradtransfer der dort ansässigen Pelican Point Lodge erreichbar. Soll heißen: unbegleitetes Selbstfahren ist nicht erlaubt. Aber ihr könnt auch auf einer Kajak-Tour dorthin paddeln.

Seebären in Walvis Bay Namibia

Seebären in Walvis Bay Namibia Pelican Point bildet mit dem Festland die Bucht und umschließt dabei ein Feuchtgebiet. Es ist der bedeutendste Wattbereich im südlichen Afrika und zugleich ein Vogelschutzgebiet. Der Pelican Point Leuchtturm liegt etwa 35 Straßenkilometer entfernt von Walvis Bay. Ein Ausflug, der sich lohnt. Auch die Lodge dort ist einen Besuch wert: aufregend und gespenstisch das Gefühl, dazu eine Suite mit 360° Panoramablick. In der Nacht erwartet euch der Ruf der Schakale und das Heulen Zigtausender Robben, die miteinander kommunizieren.

Walvis Bay Waterfront

Natürlich ist die Walvis Bay Waterfront kein Vergleich zu Kapstadts Waterfront. Es ist vielmehr ein ruhiger kleiner Vergnügungsboot-Hafen mit ein paar Souvenirshops und netten Restaurants. Wenn nicht gerade die Bootstouren losgehen oder zurückkommen, ist es hier sehr beschaulich, harmonisch und beruhigend. Auf den Bootstouren hinaus in die Bucht kommen gerne mal Gäste wie Robben oder Pelikane an Bord, um „hallo“ zu sagen. Die Delfine trauen sich nicht ganz so nah heran, spielen aber gerne schon mal um das Boot herum. Eine gute Gelegenheit für die Guides einiges über sie und die Bucht zu erzählen. Am Ende gibt es meist ein kleines Austernbuffet.

Sandwich Harbor

All denjenigen, die an mehr Vogelwelt interessiert sind oder einfach schöne Dünenlandschaft an der Küste entlang und in eine Lagune hinein genießen möchten, empfehle ich diese Tour – entweder per Boot oder mit einem Allradfahrzeug. Ein Sandwich gibt es dort aber nur, wenn ihr es selbst mitbringt. Der Name ist also kein Versprechen. Woher er kommt, scheint ohnehin noch unklar. Es könnte sogar eine sprachliche Verfälschung des deutschen Wortes Sandfisch sein.

Unterwegs, etwa 20 km südlich von Walvis Bay in Namibia an einer kleinen Bucht zu finden, kommt ihr an einem steinernen Kreuz (Padrão) vorbei. Es wurde einst von portugiesischen Seefahrern gesetzt und zeigt, dass sie ihr Recht auf Inbesitznahme des „neu entdeckten Landes“ für Portugal geltend machten.

Swakopmund

Swakopmund bietet sich auch als Ausflugsziel an. Sie ist die Stadt in Namibia, wo die deutsche Kolonialgeschichte noch heute in den Bauten, den Cafés und Restaurants weiterlebt. Interessante Kunsthandwerkermärkte, nette Cafés, einladende Strandpromenaden und beeindruckende Kolonialarchitektur lohnen den Besuch. Doch zu der Stadt und den Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung erzähle ich euch mehr in einem der nächsten Blogs.

Wo kann man in Walvis Bay übernachten? Unterkünfte

Auf unseren geführten Rundreisen wie auch den Selbstfahrer*intouren übernachten wir in der Regel nicht in Walvis Bay selbst, sondern im benachbarten Swakopmund. Wer aber gerne direkt in Walvis Bay die Nacht verbringen will, dem empfehle ich ein Gästehaus oder Hotel entlang der Promenade bis zur Waterfront-Bootsstelle. Darunter sind zum Beispiel die Pelican Point Lodge oder das Oyster Box Guesthouse.

Pelican Point Lodge in Walvis Bay
Pelican Point Lodge in Walvis Bay Namibia

Walvis Bay in Namibia – Anreisemöglichkeiten

Überseeflüge gehen zunächst bis Windhoek. Von dort könnt ihr entweder einen Anschlussflug bis Walvis Bay nehmen oder euch über die Straße dorthin bewegen. Direktflüge von Windhoek nach Walvis Bay dauern knapp unter einer Stunde. Wer aus dem Nachbarland Südafrika kommt, muss nicht den Umweg über Windhoek machen und kann direkt hierher fliegen. Der internationale Flughafen von Walvis Bay (WVB) liegt etwa 16 km außerhalb in Richtung Dünenfeld. Taxi, Hotel-Shuttle oder euer angemietetes Auto bringen euch von hier auf einfachem Wege in die Stadt. Unterwegs habt ihr gleich beste Gelegenheit, diese einzigartige Wüstenlandschaft zu genießen.

Wer von Windhoek mit dem Auto herkommt, nimmt entweder die voll geteerten Straßen B6/B1/B2 (ca. 440 km vom Hosea Kutako International Airport Windhoek) oder die nicht immer geteerte Route B6/Western Bypass/C26/C14 (ca. 388 km vom Flughafen). Letztere Strecke kann man noch einmal über die D1982 abkürzen und weitere ca. 44 km einsparen.

Diejenigen, die aus dem Süden kommen, besuchen meist zuvor das Sossusvlei . Von hier geht es über die D826/C19/C14 (M36) nordwärts auf Walvis Bay zu. Ein weiterer landschaftlicher Leckerbissen.

Einen Stopp in Walvis Bay machen, das kannst du zum Beispiel auf dieser Namibia und Botswana Mietwagenreise oder dieser Namibia Highlights Tour – wenn du in Walvis Bay übernachten möchtest, um hier mehr Zeit zu verbringen, sag uns einfach Bescheid und wir passen deinen Reiseverlauf entsprechend an.

Walvis Bay in Namibia ist weniger eine schöne Stadt als vielmehr ein schön gelegener Ort. Seine Umgebung lädt ein zu tollen Begegnungen mit der Natur. Für Rückfragen und Unterstützung bei der Planung deines Namibia -Urlaubs stehen wir gerne jederzeit bereit – egal ob auf einer geführten Safari oder einer Selbstfahrer*inreise. Hier vor Ort wissen wir über die aktuelle Lage immer gut Bescheid. Also, melde dich bei uns!

Autor: Juan Proll

Das Reisen war schon immer die große Leidenschaft von Juan Proll: drei Jahre in Lateinamerika, zwei Jahre in Südostasien und Ozeanien sowie Kurzreisen von bis zu neun Monaten in Europa, Mittelamerika und Nordafrika. 2010 entschloss er sich, seinen Job in Deutschland als Erwachsenenbildungslehrer und Referatsleiter für Migrationsfragen aufzugeben und Ranger in Südafrika zu werden. Juan reist seit 2011 quer durch Afrika, bereiste das südliche und östliche Afrika und bestieg auch den Kilimandscharo in Tansania. Zuvor absolvierte er seine Ausbildung zum Naturführer in Südafrika und arbeitete in einem Big-Five-Wildreservat. Mit Weiterbildungen und intensivem Selbststudium zum Kulturführer hat Juan sein Betätigungsfeld seither über die Natur hinaus auf Länder, Kulturen und Menschen ausgedehnt. Mitte 2013 kam er zu Africa-Experience und führt seitdem Reisende als Safari-Guide durch Afrika. Juan ist Mitglied der Field Guides Association of Southern Africa.