Wer Namibias UNESCO-Weltnaturerbe, das Sandmeer und die Dünen im Sossusvlei, besucht, ist nur einen Wildkatzensprung vom Sesriem Canyon in Namibia. Ob sich ein Besuch im Sesriem Canyon in Namibia lohnt, erzählt euch der heutige Blog.
Der Tsauchabfluss und das kreative Zusammenspiel der Naturgewalten
Das Sandmeer der Namib ist UNESCO-Weltnaturerbe und am besten „badet“ man darin in den Dünen im Sossusvlei. Es gehört zu den Top-Sehenswürdigkeiten Namibias. Ein Flusslauf durchquert die Szenerie. An seinen Ufern sieht man lebende und tote Kameldornbäume, die sich bis in das Dünenfeld hineinziehen.
„Tsauchab“ heißt der Fluss, der heute trocken daliegt. Doch noch vor zigtausenden von Jahren floss er wild bis ins Meer hinein. Anfangs konnte er die zunehmende Versandung noch wegspülen. Aber unter den wüstenartigen Bedingungen und der mitunter jahrelangen Trockenheit setzte sich der Sand schließlich durch, bildete massive Dünenfelder und versperrte dem Fluss mehr und mehr den Weg. Der Tsauchab wehrte sich zunächst tapfer, trotzte diesen Versandungen, fand immer neue Weg drumherum oder kam so kräftig angespült, dass er die Sandhaufen einfach mit sich riss. Schließlich setzten sich aber die körnigen Erosionsrückstände durch und der Fluss verlor seine Kraft. Die letzten ca. 55 km bis zum Atlantischen Ozean schafft er heute nicht mehr.

Am Ende war der Kampf dieser Naturgewalten nichts anderes als ein kreativer Prozess. Er formte eine Landschaft von sagenhafter Schönheit, in der das „Dalí-esk“ erscheinende Deadvlei ganz besonders hervorsticht. Heute haben Besucher*innen nur in regenreichen Jahren die Chance, Zeuge des Zusammenspiels von Wasser und Wüste zu sein. Denn dann entstehen in den ausgetrockneten Pfannen, den Vleis, kleine Seen, die das Naturschauspiel perfekt machen. Der Tsauchab ist in diesen Zeiten zumindest teilweise aktiv und erfreut sich ganz besonders an seiner ureigenen Kreation, dem Sesriem Canyon.
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Wie entstand der Sesriem Canyon?
Die Entstehung des Sesriem Canyons ist das Ergebnis eines langen Erosionsprozesses, bei dem sich der Tsauchabfluss tiefer und tiefer in die Ebene grub. Die Schluchtenbildung in der heute sichtbaren Form begann vor rund 30 Millionen Jahren. Längst lag das Land in diesem Gebiet unter einem dicken Sandteppich, als das Klima sich von arid zu semi-arid veränderte. Dieser Wandel brachte große Wassermengen mit sich, die sich kraftvoll über die Klippen des Namib-Naukluft-Gebirges in die Tiefe stürzten. Mit ihnen kamen mehr Kies und Sand aber auch gelöstes Kalkgestein. Was dann passierte, spiegeln die beiden gut unterscheidbaren Schichten wider, die man sehen kann, wenn man heute im Canyon steht oder von oben hineinschaut.
Beiden Schichten gemeinsam ist, dass sich bei der Verdunstung des karbonhaltigen Gewässers Kalk freisetzte und den Kies und Sand zu einer steinigen Mischung verband (Konglomerat). Die obere Schicht zeigt nun eine Zeit, in der der Fluss langsam floss, dabei eine relativ sanfte Erosion vollzog und daher gröbere Strukturen zurückließ. Die untere Schicht lässt auf eine Periode schließen, in der das Wasser mit einem viel höheren Tempo durch den Canyon schoss. Das verstärkte die Erosionskraft und hinterließ die großen gerundeten, glatten Steine im Flussbett und die geschliffen wirkenden Felswände.

Diese letzte Phase liegt Schätzungen zufolge circa 2 Millionen Jahre zurück und vollzog sich in der letzten Eiszeit. Das Meerwasser gefror, senkte somit den Meeresspiegel und schaffte in der Folge ein größeres Gefälle zwischen den Bergen und dem Meeresufer. So bahnten sich die nicht vereisten Wasserströme des Tsauchab ihren Weg mit rasanteren Geschwindigkeiten und kreierten eine etwa 1km lange, bis zu 30m tiefe und nur wenige Meter breite Schlucht.
Wie der Sesriem Canyon zu seinem Namen kam
Der Name „Sesriem“ kommt aus dem Afrikaans („ses riem“) und bedeutet „Sechs Riemen“. Es heißt, dass einst Siedler hier gerne Zwischenstation machten, um sich mit Wasser zu versorgen. Da sie ihre Tiere aber nicht in die Schlucht führen konnten, mussten sie das kostbare Nass zu den Tieren bringen. Sie ließen also Tröge von oben in den Fluss hinunter, schöpften das Wasser und zogen es hoch. Dafür verbanden die Pioniere die Riemen von sechs Ochsenkarren miteinander und befestigten sie an den Eimern.
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Ein Besuch im Sesriem Canyon
Die Frage, „Lohnt sich ein Besuch im Sesriem Canyon“, stellen sich vor allem begeisterte Besucher*innen des Sossusvlei, die darüber nachdenken, ob sie noch einen kleinen Abstecher zum Sesriem Canyon machen. Immerhin bedeutet dies, noch eine etwa 4 km lange Strecke sowohl hin als auch zurück auf sich zu nehmen, die bestes afrikanisches Massagepotenzial hat, ruppig wie ein Waschbrett. Ich nutze mit meinen Gästen gerne die Gelegenheit, nach unserem Besuch im Sossusvlei hier noch vorbeizuschauen. Zwar hat der Sesriem Canyon nicht annähernd die Ausmaße des Fish River Canyons im Süden des Landes. Aber er hat etwas, was ich oft selbst im größten Canyon Afrikas vermisse: Schatten. Fish River Canyon im Süden des Landes. Aber er hat etwas, was ich oft selbst im größten Canyon Afrikas vermisse: Schatten.

Abgesehen von seinen geologischen Finessen bietet der Sesriem Canyon daher noch einmal eine ganz andere Erfahrung, wenn man aus der unbarmherzigen, schattenlosen Hitze der Sossusvlei-Dünen kommt. Schon der interessierte Blick in die Schlucht verführt angesichts der Möglichkeit einer Kühlung versprechenden Wanderung durch diese enge Gasse dort unten. Auf dem Weg hinein liegt zwar kein roter Teppich, aber eine Bergsteige-Ausrüstung braucht ihr auch nicht. Eine helfende Hand kann manchmal wünschenswert sein. Aber wo bliebe auch der Abenteuergeist, wenn es zu einfach wäre.
Sobald ihr das Flussbett erreicht habt, heißt es: links oder rechts. Wer viel Zeit hat, kann auch den Weg rechts hinunter austesten. Dort öffnet sich die Schlucht mit jedem Meter mehr und verliert zunehmend an Tiefe. Die Strecke nach links ist das Gegenteil und vermittelt bestes Schluchtenfeeling. Sie ist nur ein paar hundert Meter lang und führt in eine Sackgasse. An dessen Ende besteht die Möglichkeit, an den Felsen entlang in eine Art Grotte hineinzukraxeln. Dort findet ihr die meiste Zeit des Jahres ein wassergefülltes Becken. Vielleicht lädt es nicht gerade zum Schwimmen ein, aber für einige Tiere der Umgebung ist es eine wichtige Trinkressource.
Die Begegnung mit Tieren im Sesriem Canyon
Wenn ihr durch den Canyon lauft und über euch in die Höhe schaut, seht ihr schon mal Vögel über euch hinwegfliegen. Aber keine Sorge: Unheilverkündende Geier sind es nicht. Es ist meist eine Taubenart, die in den Felswänden nistet. Ansonsten laufen Käfer und Echsen herum. Schlangen sind hier auch zuhause, aber nur mit Glück zu sehen. Einfacher kann es da schon mit den Pavianen sein, die ab und zu in der Schlucht nicht nur das Wasser nutzen, sondern auch den Schatten suchen. Andere Tiere wie Springböcke oder Oryxe kommen eher mal vorbei, wenn keine Menschen im Canyon herumlaufen.
In der Umgebung des Canyons gibt es auch Schakale, Hyänen, Geparden, Strauße, Skorpione und andere Tierchen mehr. Es ist nie ganz auszuschließen, dass sich auch von diesen Schönheiten mal die eine oder andere in die Schlucht hinein verirrt.
Fazit
In Kombination mit einem Tripp in den Sossusvlei lohnt sich ein Besuch im Sesriem Canyon in Namibia sehr wohl. Zum einen gibt es nicht allzu viele Schluchten, die man im Land durchlaufen kann. Zum anderen bietet Sesriem ein echtes Schluchtengefühl, weil es darin stellenweise recht eng ist und die Felswände steil hochgehen. Darüber hinaus ist eine kleine Wanderung im Schatten die ideale Abwechslung zu den sonnenintensiven Wanderungen auf Düne 45, hinauf zum Big Daddy oder hinein in das Deadvlei.
Also hinein in das Schluchtenabenteuer. Wir stehen gerne für Rückfragen und Unterstützung bei der Planung deiner Namibia-Reise bereit – egal ob auf einer geführten Reise mit Guide oder auf einer Selbstfahrertour. Als Unternehmen vor Ort wissen wir über die aktuelle Lage immer gut Bescheid. Meld dich bei uns!
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