In der schroffen, sandigen, fast vegetationslosen Landschaft der südlichen Namib, in einer der trockensten Wüsten der Welt, leben die einzigen Wildpferde Namibias. Sie sind zu einem Phänomen geworden und zu Ikonen der namibischen Tierwelt. Woher sie stammen, wo sie leben und wie sie überleben erfahrt ihr im heutigen Blog.
Die Wildpferde der Namib – ihr Steckbrief
Wer? – Armeepferde der Deutschen und Südafrikaner sowie Zuchtpferde der Umgebung
Wann? – Während des 1. Weltkrieges
Wo? – Im Süden Namibias, nahe des Bahnhofs von Garub, zwischen Lüderitz und Aus
Rasse? – Einst gemischt, heute die „Namibs“
Besondere Merkmale? – Wüstenangepasst
Wie viele? – Variiert zwischen 65 und 200
Größte Feinde? – Menschen, Hyänen und die Lebensfeindlichkeit der Namib
Gefährdungsstatus? – Extrem vom Aussterben bedroht

Wer sind die Wildpferde der Namib?
Man mag den Augen kaum trauen, wenn man in der zwar wunderschönen, aber doch lebensfeindlichen Einöde der Namib wilde Pferde sieht. Sie gehören hier so wenig her wie ein Blumenbeet mit Rosen. Doch die Wirren des 1. Weltkrieges haben sie in diese Gegend verschlagen. Welches Pferd damals genau woher und von wem kam, lässt sich begründet vermuten aber nicht mehr belegen. Es spricht viel dafür, dass es teils entlaufene Pferde aus Gestüten der Region sind und teils Armeepferde südafrikanischer Unionssoldaten und deutscher Schutztruppler, die ihre Reiter überlebten. Sie blieben allein in der Wüste zurück.
Seit wann gibt es die Wildpferde in der Namib?
Der im August 1914 ausgebrochene Erste Weltkrieg endete für das Deutsche Reich in Namibia bereits mit ihrer Kapitulation im Juli 1915. Anfangs waren die Pferde noch sehr verstreut und orientierungslos, ernährten sich von dürftig sättigenden Weiden und kaum vorhandenem Wasser. Viele von ihnen dürften in dieser Zeit die extrem schwierigen Umstände nicht überlebt haben. Erst das Finden einer sicheren Wasserquelle einte die verbliebenen Kriegsverlierer zu einer Herde von Kriegsgewinnlern, die nun bereits seit 108 Jahren in Freiheit leben.
Where can you see wild horses in Namibia?
Die Wasserstelle in der Wüste hatten die deutschen Kolonialherren des damaligen Deutsch-Südwestafrika erschlossen. Sie bauten eine Eisenbahnlinie zwischen Seeheim und Lüderitz, die ab 1907 ihre Dienste leistete. An der einzigen zuverlässigen Quelle in diesem dürren Landstrich entstand ca. 97 km östlich von Lüderitz der Bahnhof von Garub. Eine touristische Attraktion war dieser Bahnhof damals nicht. Aber er diente als Pumpstation und versorgte sowohl die Dampflokomotiven als auch die Küstenorte mit Wasser. Hier fiel immer auch Wasser ab, das die Pferde trinken konnten.

Inzwischen gibt es eine neu eingerichtete Tränke unweit des alten Bahnhofs. Hier steht nun auch ein hölzerner Beobachtungsunterstand. Er schützt die Besucher*innen vor Hitze und sichert den Abstand zu den Pferden. Auf der Nationalstraße B4 geht ca. 20 km hinter Aus in Richtung Lüderitz ein kleiner Schotterweg rechts ab zur heutigen Tränke.
Du kannst die Region als Teil dieser beiden Touren besuchen:
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Welche Rasse haben diese Pferde?
Welche Rassen im Einzelnen in der Ursprungsgruppe vor 108 Jahren vertreten waren, lässt sich nicht genau sagen. Klar ist, es waren aus Europa und Südafrika kommende Pferde. Im Land selbst gab es zuvor keine. In jener Zeit waren europäische Rassen wie Trakehner und ähnliche Warmblüter gängige Züchtungen als Militär-, Sport- und Arbeitspferde, die auch verschifft wurden. Daneben gab es die sogenannten Kap-Pferde. Nach Südafrika eingeführte Pferde wurden über Jahrhunderte zu dieser eigenen Rasse gezüchtet. Für die unwirtliche Gegend des Wüstenlandes waren sie aber alle erst einmal nicht geschaffen.

Die freien Namib-Pferde der ersten Generation waren domestizierte Pferde, die ohne die Hilfe der Menschen eigentlich kaum eine Überlebenschance hatten. Doch neben dem Trinkwasser genossen sie auch den Schutz des Diamantensperrgebietes (heute: Tsa //Khaeb National Park), zu dem der Bahnhof gehörte und der „Unbefugten“ den Zugang verbot. Damit war die Basis für ihre schrittweise Anpassung an die Wildnis und ihre Verwilderung in den nachfolgenden Generationen gelegt. Aus europäischen Hauspferden entwickelten sich namibische Wildpferde, die Namibs, eine heute eigenständige Rasse.
Was macht sie so besonders?
Ihr außergewöhnlichstes Merkmal ist ihre erworbene Anpassung an die Wüste. Aber noch immer ist die Wasserstelle von Garub die einzige weit und breit im Schutzgebiet. Wo auch immer sie hingehen, kommen sie zum Trinken hierher zurück. Und da Futter nach wie vor ein seltenes Gut ist, müssen sie spätestens nach der Regenzeit, die ohnehin dürftig und manchmal nicht existent ist, mehr und mehr das Weite suchen. Die Nährstoffe des mager vorhandenen Grases vor Ort gehen mit dem Ausdörren des Grüns verloren.
In den heißen Sommermonaten des Jahres zwischen November und März trinken sie daher in Abständen von durchschnittlich 30 Stunden, in den kälteren Wintermonaten halten sie dagegen bis zu 72 Stunden aus. Der Energiehaushalt wird daher streng kontrolliert: langsam bewegen, Wege einsparen, wenig spielen, möglichst kein aggressives Verhalten.
Auch an die einseitige Grasernährung haben sie sich gewöhnt. Bei großer Dürre kommen gesponserte Hilfsgüter hinzu, wie Heu und Mineralien. Als natürliche Ergänzungsnahrung dienen ihre berühmten Pferdeäpfel. Wüstenobst vom Feinsten. Den eigenen Dung zu fressen, ist in der Tierwelt nicht ungewöhnlich. Dieses „Koprophagie“ genannte Verhalten ist vor allem bei jungen Tieren zu beobachten, die den Kot ihrer Mutter fressen und darüber wichtige Nährstoffe, Mikroorganismen und Bakterien aufnehmen. Dies ist gerade unter den Wüstenbedingungen für eine gesunde Entwicklung wichtig, zumal im Vergleich zum Gras gut dreimal so viel Fett und doppelt so viel Protein in Mamas Darmfrucht enthalten sind. Außerdem bestehen diese Energieriegel aus vorverdauten Häppchen, die in ihrem Nicht-Wiederkäuer-Magen leichter zu verarbeiten sind als die pflanzliche Zellulose des Grases.
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Wie viele Wildpferde gibt es in Namibia?
Eine Rückfrage bei der „Namibia Wild Horses Foundation“ (NWHF) ergab, dass das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus „vor kurzem“ (ohne Angabe eines genauen Datums) 70 Wildpferde zählte.
Wer sind ihre Feinde?
Historisch war die Population der Namibs schon immer schwankend, doch in den letzten 10 Jahren ist sie deutlich unter die bis dahin durchschnittliche Anzahl von 200 Wildpferden abgesunken. Ein Grund für das Auf und Ab waren wiederkehrende Dürreperioden, ein natürlicher Feind sozusagen. In den letzten Jahren aber siedelt sich eine Gruppe von Hyänen hier an, die in den Pferden bzw. ihren Fohlen leichte Beute sah. Zwischen 2012 und 2019 überlebte Beobachtungen zufolge kein Fohlen mehr. Erst ein Notprogramm mit ablenkender Fütterung der Hyänen und schließlich das Töten einiger dieser Raubtiere brachte zwischenzeitliche Erleichterung. Ein weiterer Plan, nämlich die Hyänen umzusiedeln, scheiterte. So sind sie weiterhin eine massive Bedrohung.
Der Mensch ist Feind und Freund. Die Wilddieberei konnte zwar eingegrenzt werden, aber dafür sterben die Wildpferde auf den Straßen, wo sie von Auto- und LKW-Fahrern erwischt werden. Gleichzeitig ist der Mensch derzeit ihre einzige Hoffnung. Organisationen wie die „Namibia Wild Horses Foundation“ kämpfen an der Seite der Pferde um ihr Überleben.

Sind die Wildpferde in Namibia vom Aussterben bedroht?
Ein leider verdammt dickes „Ja“ auf diese Frage. Kann der Nachwuchs in den nächsten Jahren nicht mehr gesichert werden und sterben die letzten Wildpferde wegen der Dürre oder an Altersschwäche, Hyänenattacken und Autounfällen, ist es tatsächlich vorbei.
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