Im Nordosten Namibias liegt der Khaudum Nationalpark. Er liegt inmitten der nördlichen Kalahari und zählt zu den wildesten Ecken des Landes. Während auf der einen Seite das Abenteuer ruft, schrecken auf der anderen Seite die schwierigen Zugangsbedingungen ab. Ob sich ein Besuch im Khaudum Nationalpark lohnt, darüber erfahrt ihr im heutigen Blog mehr.
Der Khaudum Nationalpark – die harmlose Version
Der Khaudum Nationalpark ist gut 3842 km2 groß, aber touristisch kaum erschlossen. Die Umgebung des Parks ist nur dünn besiedelt. Westlich und nördlich von ihm leben überwiegend Kavango-Völker, die hauptsächlich dem Gciriku-Stamm angehören. Südlich des Nationalparks sind vor allem Ju/’hoansi-San beheimatet. Sie leben in der Nyae-Nyae Conservancy. In diesem Hegegebiet haben sie das Recht, ihre natürlichen Ressourcen nachhaltig (!) zu nutzen und wirtschaftlich Kapital daraus zu schlagen.
Die Wildtiere des Khaudum Nationalparks bilden eine solche natürliche Ressource. Da nur an der Grenze zu Botswana ein Zaun steht, können sie sich in dem Nationalpark und den zaunfreien Gebieten drumherum frei bewegen, einschließlich der Conservancy, dem Hegegebiet der Ju/’hoansi-San. Zusammen vergrößern der Khaudum Nationalpark und seine umliegenden Schutzzonen das Wildnisgebiet auf mehr als 11.000 km².
Diese Konstellationen aus Nationalpark und Hegegebieten drumherum ermöglicht den Reisenden sowohl die Begegnung mit der Tierwelt als auch kulturelle Erfahrungen mit den Einheimischen. Aber Khaudum liegt im nördlichen Kalahari-Sandfeld, was den Zugang zum Nationalpark nicht einfach macht. Daher ist die Frage „Lohnt sich ein Besuch im Khaudum Nationalpark?“ durchaus berechtigt. Eine Antwort darauf gibt der heutige Blog.

Der Khaudum Nationalpark – eine Herausforderung für Abenteurer*innen
Kein zweiter Nationalpark in Namibia stellt solch abenteuerliche Herausforderungen dar wie der Khaudum Nationalpark. Das rund 300 km lange Streckennetz führt euch über sich schlängelnde Sandwege durch unberührte Busch- und trockene Akazienwälder. Es geht durch trockene Flusstäler, den Omiramba (singular: Omuramba), die parallel zu den orange-roten, Ost-West-orientierten Kalahari-Längsdünen verlaufen. Beschilderung? Kaum! Die Navigation basiert entweder auf dem persönlichen Orientierungssinn oder auf GPS-Koordinaten und topografischen Karten. Die Folge: nur wenige Besucher*innen.
Du möchtest mehr erfahren über Reisen nach Namibia?
Melde dich bei uns!
Ob das schon alles ist? Nein! Hier geht nichts ohne Vierradantrieb. Dicke, weiche Sandfelder sind die einzigen Pisten, die ihr hier befahren könnt. Wer an der falschen Stelle stoppt oder stoppen muss, weil ein Elefant im Weg steht, muss wissen, wie man den Wagen wieder in Bewegung bekommt. Pannen- oder Abschleppdienste? Hahaha! Es sei denn ihr habt ein Satelliten-Telefon dabei. Normale Telefone haben in den meisten Gegenden des Nationalparks keinen Empfang. Und andere Fahrzeuge kommen seltener vorbei als Sternschnuppen am Nachthimmel.

Es ist der Reiz einer guten Vorbereitung, der hier den besonderen Thrill ausmacht. Also mit mindestens zwei Autos unterwegs zu sein, genügend gefüllte Ersatzkanister Benzin oder Diesel dabeizuhaben und über ausreichend Proviant und noch mehr Wasser zu verfügen. Die Antwort auf die Frage „Lohnt sich ein Besuch im Khaudum Nationalpark?“ hängt ganz sicher auch von der Abenteuerlust ab, die ihr empfindet oder eben auch nicht.
Vegetation und Landschaften
Neben der Abgeschiedenheit beeindruckt auch die Landschaft im Khaudum Nationalpark. Die Kalahari ist nicht nur eine Sandwüste. An den Flussläufen mischt sich Sand mit Gräsern. Termitenhügel wachsen in die Höhe und Kameldornbäume überragen die Ebenen. Zwischen den Dünen zeigen sich Mischwälder aus Büschen und Bäumen. Zambezi Teak wechselt sich mit Sandseringe und Mukwa ab. Mächtige Baobab-Bäume bereichern die Aussicht. In den Savannen drängen sich Wild Seringa und Falsche Mopane Bäume in den Blick.
Einen solchen Artenreichtum erwartet man zunächst nicht, wenn man in den Nationalpark hineinfährt. Er deutet auf mehr hin als auf wüstenartige Trockenheit. Niederschläge von September bis April, vor allem aber von Ende Dezember bis Anfang März, bringen eine Regenmenge, die von Südwesten nach Nordosten zunimmt und im Mittel bei 430 bis 550 mm/Jahr liegt. Genug, um der Landschaft eine üppige Vegetation zu bescheren. Sie ist nicht nur was für das Auge der Besucher*innen, sondern auch Futter und Schutz für die Tiere.
Wir stellen maßgeschneiderte Reisen in den Khaudum Nationalpark zusammen:
Individuelle Reisen
auf Anfrage
Welche Tiere sieht man hier?
Bei der Größe des Nationalparks aber gleichzeitig wenigen Straßen kann es manchmal schwer sein, Tiere im Khaudum Nationalpark zu entdecken. Aber es gibt sie und je nach Saison auch reichlich. In der Trockenzeit quilt der Park schnell über an durchwandernden Elefanten. Sie fressen sich an der Vegetation satt und graben in den torfigen Böden der oberflächlich ausgetrockneten Flüsse Bohrlöcher, in denen sie dann Wasser finden, das sie trinken. Aber auch künstlich angelegte Wasserstellen verhindern die Dehydrierung. Letztere könnt ihr alle über die befahrbaren Pisten erreichen.

Das ganze Jahr über hier zuhause sind Giraffen, Elenantilopen, Gnus, Hartebeests, Kudus, Spießböcke, Steinböcke, Duikers, Löffelhunde, Hyänen, Löwen, Leoparden, Schakale, Warzenschweine, Grüne Meerkatzen, Strauße und Ameisenbären. Die anderswo in Namibia schwer zu entdeckenden und seltenen Pferdeantilopen und Tsesebees findet ihr ebenfalls im Khaudum. Sie sind stärker im nördlichen Teil des Parks vertreten als im südlichen. Eine weitere Besonderheit sind die zunehmend vom Aussterben bedrohten Afrikanischen Wildhunde. Doch um die zu sehen, braucht ihr schon ein bisschen mehr Glück.
Im afrikanischen Sommer, wenn Regenzeit ist, könnt ihr im Nationalpark auch sehr gut Vögel beobachten. Darunter auch Vögel wie Flamingos, Kraniche, Reiher, Enten und Gänse. Insbesondere aber das Pfannenfeld des Nyae-Nyae-Hegegebietes südlich des Nationalparks mausert sich dann in ein wahres Paradies für Vogelbeobachter. Mit Blick auf die Tierwelt lohnt sich ein Besuch im Khaudum Nationalpark ganz sicher.

Unterkünfte im Khaudum Nationalpark
Der Khaudum Nationalpark ist aufgrund seiner Lage und Bedingungen längst nicht so touristisch wie andere Sehenswürdigkeiten in Namibia. Er liegt deutlich abseits der typischen Touristenpfade. An der touristischen Infrastruktur im Park wird wenig verändert. Es soll bewusst wild bleiben. Im Norden (Khaudum Camp) und im Süden (Sikeretti Camp) gibt es je eine gute Übernachtungsmöglichkeit. Meistens sind es Stellplätze für Zelte. Aber auch ein paar luxuriöse Zelte stehen neuerdings dort.

Reisende, die hierherkommen, haben meist auch großes Interesse an dem landesweit inzwischen sehr bekannten „Lebenden Museum“ der Ju/’hoansi-San. Auch hier gibt es einen Campingplatz. Das erlaubt euch abends am Lagerfeuer sogar, den Geschichten der Sans über ihren Glauben und ihre Mythologie zu lauschen. Oder sie zeigen ihre traditionellen Tänze. Morgens geht es dann auf einen Bushwalk mit ihnen, wo sie euch traditionelles Leben und Wissen als Jäger- und Sammler*innen vermitteln. Auch hierfür kann sich ein Besuch im Khaudom Nationalpark und seiner Umgebung lohnen.
Die beste Reisezeit für den Khaudum Nationalpark
Reisen hierher könnt ihr das ganze Jahr über unternehmen. Während der Regenzeit herrscht allerdings ein heißes und feuchtes Klima vor, insbesondere zwischen Januar und März. 33° C ist dann die Durchschnittstemperatur. Es kann also noch viel heißer werden. In den lokalen Wintermonaten ist es dagegen trockener und kühler. Dennoch gibt es auch dann noch sehr viele warme Sonnenstunden. Die durchschnittliche Höchsttemperatur liegt in dieser Zeit bei 26° C, die Mindesttemperatur nachts bei 7° C. Auch hier wie anderswo in Namibia gilt die Trockenzeit von Mai bis September/Oktober als besonders gut für Tierbeobachtungen im Khaudum Nationalpark.
Fazit
Für Abenteuerlustige und 4x4 Fans lohnt sich ein Besuch im Khaudum Nationalpark schon aufgrund der herausfordernden Bedingungen. Wer eher eine komfortable Safari sucht, wird hier nicht glücklich. Was den Khaudum Nationalpark ausmacht, sind folgende Dinge:
- Abgeschiedenheit
- Tiefe, weiche Sandpisten, die Allrad-Fahrzeuge erfordern
- Wenige Straßen in einem verhältnismäßig großen Gebiet, was Tierbeobachtungen erschwert
- Wenige Besucher*innen
- Minimale touristische Infrastruktur
- Weitestgehender Verzicht auf Zäune, was einem das Gefühl gibt, dass die Tiere sich wirklich frei bewegen können
- Großes Elefantenaufkommen in der Trockenzeit
- Möglicher Besuch des „Lebenden Museums“ der Ju/’hoansi-San
Wer sich in das Khaudum-Abenteuer hineinwagen möchte, hat vielleicht noch Rückfragen oder braucht Unterstützung bei der Planung seiner Namibia-Reise. Dafür stehen wir gerne bereit – egal ob auf einer maßgeschneiderten geführten Rundreise oder einer Selbstfahrertour. Als Unternehmen vor Ort wissen wir über die aktuelle Lage immer gut Bescheid. Also melde dich bei uns!
auf Tripadvisor
